Olympia-Sechster im Stabhochsprung
Sportlich zählte Alfred Proksch in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg zu den besten Stabhochspringern Europas. Bei den Olympischen Spielen in Berlin 1936 erreichte er mit der Höhe 4,00 Metern den sechsten Platz. Zu dieser Zeit wurde mit Bambusstäben gesprungen. Statt auf einer dicken Matte fiel man in einem Sandhaufen. Proksch: „Wir mussten damals wie eine Katze auf allen vieren landen, sonst hätte man sich arg verletzt.“
Seine persönliche Bestmarke, zugleich langjähriger österreichischer Rekord, gelang ihm ein Jahr später, am 2. August 1937 in London. Bei den "British Games", dem hochklassigsten Meeting dieser Zeit in Großbritannien, setzte er sich im legendären White City Stadion gegen die damals weltbesten Springer duch. Alfred Proksch aus der Erinnerung: „Bei einem der ersten Versuche ist mein Bambusstab gebrochen. Ich bin auf den Kopf und den Rücken gestürzt und war kurz bewusstlos. Ein Masseur hat an mir gezogen und mich behandelt. Er hat gesagt: ‚Es ist nichts gebrochen.’ Wenn ich will und kann, soll ich weitermachen. Der englische Meister Richard Webster hat mir daraufhin seinen Stab geborgt. Dadurch hat er sich um den Sieg gebracht – denn ich habe gewonnen. Meine Höhe war 4,118 Meter. In Wien hat man es mir zuerst nicht geglaubt, dann den Rekord auf 4,11 Meter abgerundet.“
Hausmann im Bretterverschlag
Eine Basis für seinen außergewöhnlichen körperlichen Zustand sieht Proksch in der Hausarbeit. „Ich habe eine große Wohnung. Seit meine Frau tot ist, mache ich alles alleine: einkaufen, kochen, putzen. Auf diese Weise bin ich zwei Stunden täglich unter leichtem Stress aktiv. Allein das ist ein Fitnessprogramm für mich.“ Bezeichnend für ihn ist die Geschichte von der Hallen-Weltmeisterschaft der Masters-Leichtathleten, die heuer von 17. bis 22. März in Clermont-Ferrand (FRA) stattgefunden hat. Sein Gepäck kam nicht mit dem Flugzeug an, wodurch er verspätet im Hotel eintraf. Dort war bereits zugesperrt. Also bastelte er sich einen Bretterverschlag, um darin die Nacht zu verbringen. Einige Tage später wurde ihm gemeinsam mit seinen Medaillen auch das Gepäck überreicht.